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Die Idee


Was passiert, wenn ein Choreograf nicht mit seiner eigenen Company, seinen vertrauten Tänzern, in seiner bekannten Umgebung arbeitet, sondern mit fremden Tänzern, die er überhaupt nicht kennt, und dazu noch in einer fremden Stadt, bzw. einem fremden Land?
Und was, wenn er erst zwei Tage vor Probenbeginn das Thema der Choreografie bekommt und für das zu entwickelnde Stück nur eine Woche Zeit hat?

Wie diese Idee entstand

Die Köpfe von drei Tanzfestivals (Internationale Tanzwoche in Dresden, Pro Art Festival in Prag/Brün und das Festival „638 Kilo Tanz und weitere Delikatessen“ in Essen) haben beschlossen, eine gemeinsame Produktion zu entwickeln, welche auf ihren Festivals präsentiert werden soll.
Diese drei Partner sind Martin Dvorak, Choreograf seiner Pro Art Company und Leiter des gleichnamigen Festivals, Jelena Ivanovic, Choreografin und Leiterin der Tanzcompany Ivanovic Clan und gemeinsam mit Sabina Stücker Veranstalterin des Festivals “638 Kilo Tanz und weitere Delikatessen“ sowie Detlef G. Skowornek und Michael Rockstroh, Leiter der Internationalen Tanzwoche in Dresden, die eng mit Tänzern der Dresdner freien Szene wie der jungen Choreografin Julia Nestrova zusammenarbeiten.

Da diese drei Festivals ähnliche Zielsetzungen verfolgen, nämlich jungen zeitgenössischen Choreografen eine Plattform für ihre Arbeiten zu geben und selbst auch immer wieder eigene Produktionen auf ihren Festivals zeigen, traf man sich im Juli diesen Jahres um über eine Zusammenarbeit bzw. über eine Vernetzung der drei Festivals zu reden.
Alle Beteiligten waren sich einig, dass es mehr sein müsste, als nur ein Austausch der einzelnen Stücke. Es entstand die Idee, etwas Risikofreudiges entstehen zu lassen, etwas Neues auszuprobieren. So entstand das Konzept für das Projekt “Das 6-Tage Rennen“. Hierbei soll jeder Choreograf mit den Tänzern eines anderen Choreografen arbeiten und alle drei werden in derselben Woche, sprich in nur sechs Tagen, ein Stück entwickeln müssen.

Die Durchführung


Damit für alle Choreografen die gleichen Bedingungen gegeben sind, wird ihnen erst ein Tage vor Probenbeginn das von einem „Dramaturgieausschuss der Festivals“ entwickelte Thema der Choreografie bekannt gegeben. Alle Choreografen haben nun gerade eine Woche Zeit, um - nach einem Vorbereitungs- und Einrichtungstag - ein Stück mit den Tänzern zu entwickeln.

Konkret sieht dies folgendermassen aus:
Im vorgesehenen Zeitraum wird der Choreograf Martin Dvorak mit zwei Tänzerinnen in Dresden, Jelena Ivanovic mit drei Tänzern aus der Pro Art Company in Prag und Julia Nesterova mit einer Tänzerin des Ivanovic Clans in Essen arbeiten.

Die Zielsetzung - oder weshalb dieses Projekt?


Sicherlich ist diese Arbeitsweise mit einem Risiko verbunden:
Kann man unter diesem Zeitdruck und mit fremden Tänzern in einer unbekannten Umgebung arbeiten, bzw. so schnell ein Stück choreographieren, welches zudem auch den professionellen Ansprüchen der Teilnehmer (und natürlich dem Publikum) genügt? Und warum sollte man das überhaupt versuchen?

Oft ist die Gefahr, dass in einem Arbeitsprozess, in dem Choreograf und Tänzer schon über einen längeren Zeitraum und meist immer an demselben Ort miteinander arbeiten, sich Ideen und Impulse mit der Zeit zu wiederholen beginnen.
Sicherlich ist es für jeden Arbeitsprozess gut, wenn zwischen Choreograf und Tänzer eine sogenannte gemeinsam Sprache besteht und man voneinander weiß, was der Andere sucht, oder meint. Dennoch kann es sein, dass es in einem solchen Arbeitsprozess zu keinen Reibungen, bzw. Brüchen und Infragestellungen mehr kommt. Und genau diese Auseinandersetzungen braucht es in einem kreativen Prozess, damit sie zu neuen Impulsen führen können. Und genau hier will dieses Projekt anknüpfen.

Choreograf und Tänzer, die sich vielleicht in einem Vortanzen niemals gegenseitig ausgesucht hätten, um miteinander zu arbeiten, müssen nun gemeinsam einen Weg finden und innerhalb einer bestimmten Zeit und eines vorgegebenen Themenrahmens, eine gemeinsame Sprache entwickeln. Ein riskantes, aber für jeden Teilnehmer auch sehr spannendes Projekt, das sicherlich Überraschungen und neue Akzente und Kontroversen hervorbringen wird.