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Die Idee

Was passiert, wenn ein Choreograf nicht mit seiner eigenen Company, nicht mit seinen vertrauten Tänzern, nicht in seiner bekannten Umgebung arbeitet, sondern mit fremden Tänzern, die er zuvor noch nie gesehen hat, und er dazu noch in einer fremden Stadt bzw. einem fremden Land in kurzer Zeit ein Stück entwickeln muss, dessen Thema er auch nicht selber wählen darf?

Risikofreudiger, internationaler Austausch und Vernetzung
Drei Köpfe von drei verschiedenen Veranstaltern in verschiedenen Städten beschließen, eine gemeinsame Produktion zu entwickeln, welche auf ihren Plattformen/Festivals präsentiert werden soll.

Da alle drei Plattformen/Festivals ähnliche Zielsetzungen verfolgen: jungen zeitgenössischen Choreografen eine Plattform für ihre Arbeiten zu geben, und selbst immer wieder eigene Produktionen auf ihren Festivals zu zeigen, beschließt man eine Zusammenarbeit und eine Vernetzung der drei Orte.

Alle Beteiligten müssen als Zielsetzung mehr wollen als nur einen Austausch der einzelnen Tanzproduktionen in Form von Gastspielen. Die Idee ist es, etwas risikofreudigeres entstehen zu lassen, etwas Neues auszuprobieren.
Im Projekt „Das 6 Tage Rennen“ soll jeder Choreograf der Festival-Stadt mit den Tänzern des anderen Choreografen arbeiten und alle werden in derselben Woche, sprich in sechs Tagen, ein Stück von min. 20 Minuten entwickeln müssen.

Die Durchführung

Damit für alle Choreografen die gleichen Bedingungen gegeben sind, wird ihnen erst zwei Tage vor Probenbeginn das Thema für die Choreografie bekannt gegeben. Alle Choreografen haben nun genau 6 Tage Zeit um ein Stück mit den Tänzern zu entwickeln.
Konkret sieht das so aus:

In einer gemeinsamen Woche wird der Choreograf aus Luzern (CH) mit Tänzern in Essen (D), der Choreograf aus Madrid mit Tänzern in Luzern und der Choreograf aus Essen mit Tänzern in Madrid arbeiten.

Alle drei Choreografen bekommen zwei Tage bevor die Proben beginnen das Thema der Choreografie genannt. Alle drei Choreografen werden parallel in derselben Woche die Choreografie erarbeitet und alle Choreografen kennen die Tänzer, mit denen sie in dieser Woche arbeiten werden, noch nicht.

Die Zielsetzung, oder warum so ein Projekt?

Sicherlich ist diese Arbeitsweise mit einem Risiko verbunden:
kann man unter diesem Zeitdruck und mit fremden Tänzern in einer unbekannten Umgebung arbeiten bzw. so schnell ein Stück choreographieren, welches den professionellen Ansprüchen der Teilnehmer genügt? Und warum sollte man das überhaupt versuchen?

Oft ist die Gefahr, dass in einem Arbeitsprozess, wo Choreograf und Tänzer schon über einen längeren Zeitraum miteinander arbeiten (meist immer an dem selben Ort), Ideen und Impulse anfangen sich mit der Zeit zu wiederholen. Sicherlich ist es für jeden Arbeitsprozess gut, wenn zwischen Choreograf und Tänzer eine sogenannte gemeinsam Sprache entsteht, und man voneinander weiß, was der Andere sucht oder meint. Dennoch kann es sein, dass es in solch einem Arbeitsprozess zu keinen Reibungen bzw. Brüchen mehr kommt. Und genau diese Reibungen bzw. Brüche braucht es in einem kreativen Prozess, damit sie zu neuen Impulsen führen können. Genau hier will dieses Projekt anknüpfen.

Choreograf und Tänzer, die sich vielleicht in einem Vortanzen niemals gegenseitig ausgesucht hätten, um miteinander zu arbeiten, müssen nun gemeinsam einen Weg finden in einem vorgegebenen Zeit- und Themenrahmen eine gemeinsame Sprache zu entwickeln. Ein riskantes, aber auch für jeden Teilnehmer sehr spannendes Projekt, was sicherlich Überraschungen und neue Akzente mit sich bringen wird.